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China 2

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Auf Einladung des chinesischen Staatszirkus
flog ich im Frühjahr 2004 in das Reich der Mitte um meinem
Lehrauftrag als Devil-stick-coach nachzukommen. Trotz der
Einwände vieler Bedenkenträger konnte nicht einmal
die Vogelgrippe mich davon abhalten, die Stadt des ewigen
Frühlings nach fünf Jahren Abstinenz wieder sehen
zu wollen. |
China hat sein Gesicht gewandelt
– und wandelt es weiter: Die Atemlosigkeit mit der der
westliche Wind of Change über das Land fegt, versetzt
den Wiederkehrenden in Staunen, aus dem er kaum noch herauszukommen
scheint: Wo früher verödeter Konformismus und steifer
Gehorsam herrschten und immer, immer wieder auch mahnten,
pulsiert heute – zumindest in den Metropolen –
der abendländisch- zivilisierte Wahn in seiner reinsten
Form: grellgelb erleuchtete Fastfoodtempel schreibens an jede
Wand: „Let’s go West!“ Dem vor fünf
Jahren noch vergeblich suchenden touristischen Konsumherz
bietet sich heute das aus der Heimat gewohnte Bild: fast immer
und fast überall – verkleidet im asiatischen Gewande
– versteht sich – und dennoch funktional, radikal:
international. Die offeneren, schnelleren, leichteren und
noch hektischeren chinesischen Gesichter plappern selbst an
touristisch abgelegenen Plätzen in fröhlichen Anglismen
– als wäre das nie anders gewesen. Zur Geschichte
geworden ist: Der Welt– und Umweltabgewandte Kommunismus.
Es gibt ihn noch (den Kommunismus) – und zwar natürlich
auch nur ihn – aber es gibtihn anders! |

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Mein Arbeitsplatz, das Gelände des „Flag
Circus of China“ hat sich dem Zeitgeist ebenfalls hingegeben:
Mit neuer, technisch hochmoderner Trainingshalle und selbst
leuchtenden Plastikpalmen im Innenhof; um den Luxus einer
Sauna war im vergangenen halben Jahrzehnt mein Domizil aufgeforstet
worden. Der “Flag Circus of China“, unter der
Leitung von Mrs. Li Xining, steht in enger Verbindung zum
kanadischen Cirque de Soleil. Hier, in Kunming, wird die Ausbildung
neuer artistischer Talente ehrgeizig und effizient verfolgt,
um zunächst einmal im Chinesischen Hause – später
aber weltweit zum Showeinsatz zu kommen. |
Meine Aufgabe bestand
im Wesentlichen darin, mit den mir anvertrauten Künstlerinnen
(20 Mädchen im Alter von 12 bis 27 Jahren) eine Devilstick-Show
zu kreieren und inszenieren, um sie für ein, am Jahresende
in China stattfindendes, Circusfestival siegessicher zu machen.
So nutzte ich die zwei Wochen intensiv, meine Schützlinge,
im zugegebenermaßen hartem Training, zur Spitzenklasse
heran zu coachen. Wissensdurstig, wie speziell Chinesen es
sind, lockten sie mir innerhalb kürzester Zeit auch meinen
neuesten Trick aus der Tasche um nach vier Stunden täglicher
Arbeit mit mir anschließend ihren weiteren Trainingsverpflichtungen
in anderen Disziplinen und Shows nachzukommen. Ich stellte
recht schnell Trainingsroutine her. Technische Details führte
ich durch tänzerischer Elemente zusammen um sie choreographisch
aufzuwerten. |

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Im Gegensatz zu meinem Besuch vor fünf
Jahren war mir dieses Mal ein Dolmetscher zur Seite gestellt
worden, der es verstand, sowohl Sprachliches als auch Bräuche
und Traditionen zu übersetzen: Der täglich servierte
Fischkopf changierte somit von anfangs unterstellter Einfallslosigkeit
zur immer wieder bekräftigten Geste der Gastfreundschaft
– und rutschte von nun an doppelt glatt die Kehle hinunter..... |
Bei allem wilden Wandel: Einzig
die Schürzen der Köchinnen scheinen ihm gegenüber
in notwendigem Maße resistent zu sein: Ich könnte
schwören, sie seien seit meinem letzten Besuch nicht
ein einziges Mal gewechselt worden – der kulinarischen
Qualität vom Fischkopf kann das nichts anhaben. |

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Auch, wenn zwei Wochen eine denkbar
knapp bemessene Trainingsphase bedeuten, spannen mich die
Lernfähigkeit und der Arbeitseifer meiner Artistinnen
jetzt schon auf die Folter: Ich freue mich auf die Devilstick-Gruppeninszenierung
die Dank der guten körperlichen Konditionen, der hervorragenden
Technik und der modernen Choreographie mit Sicherheit einzigartig
werden wird ! |
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